Change Walk – Station »Mitarbeiter im Change«

Es war eine ganz besondere Location im ehemaligen Frauenbad in Heidelberg, an dem wir mit 21 Führungskräften und drei Trainern an drei Stationen zum Thema »Change und dem Umgang mit veränderungsmüden Mitarbeitern« gearbeitet haben. Eine dieser Stationen hatte das Thema »Mitarbeiter im Change« und wurde von Carmen Halstenberg geleitet.

Wie bewegen sich Mitarbeiter grundsätzlich in Change-Prozessen und was passiert da mit ihnen?

In dem Zusammenhang wurde an dieser Station sehr ausführlich das Eisberg-Prinzip besprochen: Wo die sachliche Ebene nämlich immer klar ist und jeder sagt „so muss es sein“, sieht es auf der emotionalen Ebene ganz anders aus. Diese ist für jeden Menschen eine Herausforderung. Was hindert meinen Mitarbeiter nun daran, einem Veränderungsprozess positiv gegenüberzustehen? Das sind zu 80-90 Prozent Emotionen: liebgewonnene Verhaltensweisen abgeben zu müssen, Räumlichkeiten, die sich verändern.

In einer Veränderung durchläuft jeder Mensch eine Schock-Kurve: Diese beginnt mit dem Schock (huch, da verändert sich was), darauf folgen Emotionen und Motivationen zum Widerstand, die dann wieder abfallen, weil die Widerstände nichts nutzen (es muss ja gemacht werden). Daraufhin folgen Ärger, später Depression (Ich kann sowieso nix ändern – mir doch egal) und anschließend eine Testphase, in der wir merken, dass es gar nicht so schlecht ist (hat auch Vorteile). Danach folgt die Akzeptanz (ok, es hilft ja nichts, das machen wir jetzt) gefolgt von der Integration. Dieses ist ein valider Prozess und nichts Neues – wir haben ihn nur noch einmal neu aufgezeigt.

Und da gab es rege Diskussionen: „Kann ich das nicht brechen? Oder abkürzen?“ Nein – ich kann es nicht verändern, ich kann es nur minimieren. Indem ich Dinge – wie durch den Change Walk – verändere und die Kurve ein wenig kleiner mache, so dass die Ausprägungen nicht so heftig sind.

Klar ist: Diese Kurve gibt es immer. Und dass es sie immer gibt, hat die Führungskräfte-Teilnehmer ein bisschen beruhigt. Somit haben sie erkannt, dass ein solches Verhalten der Mitarbeiter nicht an diesen selbst liegt, sondern dass es sich hier um einen völlig normalen Vorgang handelt.

Wichtig ist auch zu wissen: Diese Schock-Kurve verläuft bei jedem Menschen anders. Das zu erkennen, hilft schon sehr.

Die Erkenntnis der Teilnehmer dieser Station war: Wir müssen die Schock-Kurve nicht abschaffen (Gott sei Dank). Die Frage ist: Was kann ich tun, damit diese nicht so schlimme Auswirkungen hat?

Ein Werkzeug für die Motivation der Mitarbeiter wäre, dass Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern das Reiss-Profile machen. So würden sie erkennen, was ihre Leute antreibt und was die Treiber in ihrem Bereich sind, um daraufhin auch motivationsorientiert mit den

Mitarbeitern umgehen zu können. Denn jeder Mensch ist individuell. So auch in Change-Prozessen.

Im nächsten Blog wird es um die Station »Führung im Change« gehen und inwiefern situatives Führen hilft.