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Mein Burnout – Erfahrungsbericht eines selbst Betroffenen

Manchmal sind wir so beschäftigt, dass wir vergessen, uns um die einzige Person zu kümmern, die uns unser ganzes Leben lang begleitet: Uns selbst.

Ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag Ich werde den Tag im November 2010 niemals vergessen. Ich bin morgens aufgewacht im Hotel, ich fühlte mich fit für den Tag, war voller Tatendrang. Nach der großen Finanzkrise, die auch mir als Selbstständigen schwer zu schaffen machte, hatte ich endlich wieder einen Kunden. Einen schwierigen Kunden aus der User Help Desk Branche. Mein Auftrag war es die Führungskräfte zu unterschiedlichen Themen zu trainieren und extern Personalentwicklung zu betreiben. Thema der nächsten 2 Tage sollte es sein die Führungskräfte in Ihrem Selbst- und Zeitmanagement fit zu machen. Ich fuhr also gut gelaunt los und bereitete im Seminarraum alles vor. Natürlich genoss ich noch mein Lieblingsritual vor jeder Veranstaltung, nämlich meine Zigarette und meinen Kaffee. Die Teilnehmer kamen, das Seminar begann. Ich stand an meinem Begrüßung- Flipchart, wollte gerade Hallo sagen. Doch dazu kam ich nicht mehr. Mir wurde schwarz vor Augen und ich fiel in Ohnmacht. Das nächste an das ich mich heute erinnere war mein Aufwachen auf der Intensivstation. Ich bin doch gesund… An etlichen Schläuchen angeschlossen wachte ich auf und dachte das war es. Herzinfarkt? Zum Glück betrat in diesem Moment schon ein grauhaariger Mann im weißen Kittel mein Zimmer. Im Schlepptau etliche jüngere ebenfalls in weiß gekleidete Menschen. Er trat vor mein Bett, stellte sich als Chefarzt vor und sagte kurz und knapp: „Keine Sorge junger Mann. Körperlich sind sie topfit. Sie haben ein Burnout. Das passiert schon mal mit Anfang vierzig.“ Bevor ich aus meinem trocknen Mund auch nur einen Laut herausbrachte, ging die Gruppe der Ärzte wieder und lies mich allein. Burnout? Ich? Wie lächerlich? Ich bringe doch gerade anderen Menschen bei keinen Burnout zu bekommen… 1,5 Tage hatte ich Zeit nach meiner Verlegung auf eine normale Station über die Worte des Chefarztes nachzudenken. Dann holte mich meine Frau aus dem 300 km von zu Hause entfernten Krankenhaus nach Hause. Was dann geschah weiß ich bis heute noch genau. Ich konnte 6 Wochen lang nur im Bett liegen. Ich war körperlich komplett kraftlos. Schuhe zubinden, allein zur Toilette gehen, mich anziehen?? Keine Chance! Schwindel, Übelkeit und das Gefühl von einem ICE überfahren worden zu sein prägten meinen Alltag. An Arbeit war schon gar nicht zu denken. Was war bloß los? In mir wuchs die Gewissheit, dass ich körperlich sehr krank sein musste. Also ging es los. Mein Ärzte Marathon. Vom Kardiologen zum Urologen. Vom Neurologen ins MRT. Vom Internisten zum Onkologen. Die Diagnose war immer gleich. Sie sind gesund Herr Halstenberg. Kern gesund! Auf der Suche nach Heilung Bis auf meinen Bluthochdruck gab es keine weiteren Diagnosen. Außer dem Hinweis fast jeden Arztes, dass mein Kopf, meine im Unterbewusstsein verankerten Gedanken der Auslöser sei. Diese Existenzangst, diese Jagd nach immer neuen Aufträgen gepaart mit meinem ungesunden Lebensstil war verantwortlich für meinen Schwindel, meine Übelkeit und meine nicht vorhandene Kraft. Ich brauchte lange dieses zu akzeptieren und begann mich nun 2011 nach einem Therapeuten, umzusehen. Die ersten beiden waren mehr als ein Reinfall. Erst der dritte konnte mir helfen. Er vertrat den Ansatz das Körper und Geist sehr stark miteinander verbunden sind und er erst mal meinen Körper fit bekommen müsste. HTP5, Ashwagandha und andere Produkte wurden mein ständiger Begleiter. Nach einem Jahr war ich wieder einigermaßen arbeitsfähig. Der Schwindel kam und ging gepaart mit einer körperlichen Mattheit. Spannenderweise oder auch blöderweise aber nur wenn ich zur Ruhe kam. Also zu Hause, in den Kreisen meiner liebsten. Wenn ich keinen Stress hatte und funktionieren musste. In dieser Zeit stieß ich auf das Reiss Profile. Das Reiss Profile ist ein Persönlichkeitstest von Steven Reiss, bei dem 16 grundlegende menschliche Motivationen bzw. Bedürfnisse getestet werden. Es hat eine statistische Basis und wird größtenteils im Bereich von Coaching und Unternehmensberatung eingesetzt. Mein Begleiter Norbert Das Ergebnis ist bis heute einer meiner Erklärungen für meinen Zustand. Nämlich meine nicht vorhandene emotionale Ruhe. Auch wenn ich mir jeden Tag sage alles gut mein Freund weiß ich, dass mein Unterbewusstsein was anderes denkt. So sitze ich hier heute, im Jahre 2021 inmitten der Pandemie mit Norbert. Ihr fragt euch wer Norbert ist? Nun meine immer noch ab und zu auftretenden Zustände voller Schwindel, Übelkeit und Mattheit nenne ich Norbert. Mein Therapeut meinte der Sache einen Namen zu geben hilft. Zusammenfassend kann ich sagen das es mir deutlich besser geht als damals. Auch weil ich seit 2 Jahren eine dazu kommende Diagnose erhalten habe. Und die ist in der Tat eine körperliche Angelegenheit und nennt sich nitrosativer Stress. Dagegen helfen meine Sauerstoff Therapien und etliche Mittel wie Cyl Airnergy oder Sanopal. Aber die Hoffnung jemals wieder bei durchgängig 100 % Leistungsfähigkeit anzukommen ist eher gering. Ich muss mit meinem Norbert, der 7-8-mal pro Jahr noch Hallo sagt, leben.


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